Accessibility
Font

Turing this off will require an explicit click to open and close menus that would open on hover.

Colour modes
High contrast themes
Reading mode

Von der Erkenntnis zur Umsetzung: Welche Kompetenzen die Lücke schließen

Unternehmen der Konsumgüterindustrie verfügen heute über mehr Daten und Marktinformationen als je zuvor. Sie können Kaufverhalten analysieren, Preissensitivitäten beobachten, Nachfrage prognostizieren und Veränderungen bei den Erwartungen ihrer Kunden immer schneller erkennen. Zu wissen, was im Markt passiert, bedeutet allerdings noch lange nicht, daraus auch die richtigen Maßnahmen abzuleiten.

Kostendruck, veränderte Nachfrage und fehlende Kompetenzen prägen aktuell die Entwicklung vieler Unternehmen der Konsumgüterindustrie in Europa. Auch unser European Business Resilience and Growth Report zeigt: Wie widerstandsfähig ein Unternehmen ist, hängt wesentlich davon ab, wie schnell es sich anpassen, Entscheidungen treffen und auch unter veränderten Bedingungen leistungsfähig bleiben kann.

Für Führungskräfte stellt sich damit eine entscheidende Frage: Was passiert, wenn die Analyse stimmt und die Strategie überzeugt, das Unternehmen sie aber trotzdem nicht konsequent umsetzen kann?

Die Lücke zwischen Strategie und Umsetzung ist zunehmend auch eine Talentfrage. Entscheidend ist, an welchen Stellen die Umsetzung ins Stocken gerät und welche Führungskompetenzen Unternehmen brauchen, um genau diese Lücke zu schließen.

Unternehmen der Konsumgüterindustrie fehlt es selten an Erkenntnissen

Die meisten etablierten Unternehmen wissen sehr genau, welche Entwicklungen ihre Märkte verändern. Die Preissensibilität bleibt hoch. Direct-to-Consumer-Modelle verändern weiterhin den Zugang zum Kunden. Daten fließen stärker in kommerzielle Entscheidungen ein. Gleichzeitig stehen Margen unter Druck und Nachfrageentwicklungen werden schwerer planbar.

Auch unsere European Consumer and Talent Trends zeigen dieses Spannungsfeld. Märkte verändern sich häufig schneller, als Organisationsstrukturen und Talentstrategien darauf reagieren können.

Ein Unternehmen kann beispielsweise genau wissen, dass seine Kunden preissensibler werden oder dass die eigene Supply Chain zu wenig flexibel ist. Schwieriger wird es, wenn aus dieser Erkenntnis eine Entscheidung werden soll, die mehrere Funktionen betrifft, Investitionen benötigt und im operativen Geschäft tatsächlich umgesetzt werden muss.

Die Analyse zeigt, wo eine Chance liegt. Ob ein Unternehmen sie nutzen kann, entscheidet sich in der Umsetzung.

Wenn Kostenkontrolle das Wachstum ausbremst

In einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld ist es nachvollziehbar, die Kontrolle zu erhöhen. Kosten werden genauer geprüft, Portfolios gestrafft, Neueinstellungen hinterfragt und zusätzliche Aufgaben auf bestehende Teams verteilt.

Unsere Resilience-Studie 2026 im Norden Englands zeigt, wie verbreitet diese Maßnahmen bereits sind. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen hatten Einstellungen verschoben, über ein Drittel Investitionen reduziert und etwas mehr als die Hälfte ihre operativen Strukturen angepasst. Rund ein Viertel hatte Stellen abgebaut.

Keine dieser Entscheidungen ist für sich genommen problematisch. Kritisch wird es dann, wenn Maßnahmen, die kurzfristig Stabilität schaffen sollen, langfristig wichtige Fähigkeiten im Unternehmen schwächen.

Transformationsprojekte verlieren an Tempo, weil die Verantwortlichen parallel weiterhin das Tagesgeschäft steuern müssen. Digitale Initiativen kommen nicht über die Pilotphase hinaus, weil die Verantwortung irgendwo zwischen Marketing, IT, Data und Commercial liegt.

Auch strategische Entscheidungen können dadurch zunehmend von der bestehenden Organisation bestimmt werden: Was können wir mit den aktuellen Strukturen überhaupt leisten?

Die wichtigere Frage wäre jedoch: Was braucht das Unternehmen, um die vorhandene Chance tatsächlich zu nutzen?

Unsere UK Resilience Research zeigt, dass die meisten Unternehmen derzeit versuchen, Risiken zu kontrollieren und gleichzeitig Wachstumschancen zu verfolgen. Deutlich weniger Unternehmen setzen dagegen konsequent auf einen offensiven Wachstumskurs.

Umsetzungsprobleme entstehen häufig zwischen den Funktionen

Viele der wichtigsten Themen in der Konsumgüterindustrie lassen sich heute nicht mehr innerhalb einer einzelnen Funktion lösen.

Pricing verbindet Consumer Insights, Sales, Finance und Category Management. D2C betrifft Marketing, Technologie, Data, Logistik und Customer Experience. Veränderungen im Portfolio benötigen das Zusammenspiel von Brand, R&D, Procurement, Finance, Manufacturing und Commercial.

Ob eine Strategie funktioniert, entscheidet sich deshalb häufig an den Schnittstellen.

Damit verändert sich auch die Frage, welche Talente Unternehmen benötigen. Starke Fachkräfte und Führungspersönlichkeiten in den einzelnen Funktionen bleiben wichtig. Gleichzeitig braucht es Menschen, die unterschiedliche Bereiche zusammenbringen, Verantwortung übernehmen und aus einer Strategie konkrete Ergebnisse machen.

Welche Kompetenzen Unternehmen jetzt brauchen

Ausgangspunkt sollte immer die konkrete geschäftliche Herausforderung sein und nicht die bestehende Stellenbeschreibung.

Wenn aus guten Marktkenntnissen keine kommerziellen Entscheidungen entstehen, fehlen häufig Kompetenzen im Revenue Growth Management, auf Commercial oder Category Director Ebene oder bei Führungskräften aus Consumer Insights und Finance mit einem ausgeprägten kommerziellen Verständnis.

Gerade Revenue Growth Management gewinnt an Bedeutung, weil Unternehmen stärker denn je zwischen Preiswahrnehmung, Kundennutzen und Marge abwägen müssen.

Wenn die digitale Ambition größer ist als die tatsächliche Umsetzungskraft, braucht es häufig Führungspersönlichkeiten aus E-Commerce, Digital oder Digital Product, CRM und Customer Management sowie Spezialisten für Data, Performance und Retention. Entscheidend ist dabei nicht allein technologisches Know-how. Gute Kandidaten verstehen, welchen konkreten kommerziellen Beitrag ein Kanal oder eine Technologie leisten soll.

Ist eine Strategie vorhanden, verliert aber im Tagesgeschäft immer wieder an Dynamik, fehlt häufig klare Verantwortung. Transformation und Programme Directors, COOs, erfahrene Technology Leader oder Interim Executives können Strukturen schaffen, Verantwortlichkeiten klären und die Umsetzung vorantreiben.

Haben Kostensenkungen dagegen die operative Flexibilität geschwächt, können Führungskräfte aus Supply Chain, Procurement, Demand Planning und S&OP dabei helfen, die Reaktionsfähigkeit wieder zu erhöhen.

Für die Herausforderung rekrutieren, nicht für die Vergangenheit

Wenn sich die Anforderungen verändert haben, reicht es nicht aus, eine Position genauso nachzubesetzen wie zuvor.

Ein gutes Briefing beginnt deshalb mit anderen Fragen: Welches Ergebnis erreicht das Unternehmen aktuell nicht? An welcher Stelle kommt die Umsetzung ins Stocken? Welche Funktionen müssen dafür zusammenarbeiten? Und welche Verantwortung muss die neue Führungskraft tatsächlich übernehmen?

Für manche Herausforderungen ist eine langfristige Besetzung die richtige Lösung. In anderen Situationen kann Interim Management sinnvoller sein, etwa wenn ein Transformationsprojekt umgesetzt, ein Bereich stabilisiert oder ein neues Operating Model zunächst erprobt werden soll.

Marktkenntnis und Daten bleiben wichtig. Den Unterschied machen jedoch die Menschen, die daraus konkrete und messbare Ergebnisse schaffen.